Satellitenbilder lassen keinen Raum für Zweifel: In Marokko hat es so viel geregnet, dass es dort seit einem Jahrzehnt nicht mehr so grün aussah

Ungewöhnlich starke Winterregen haben Marokkos Nordosten binnen weniger Wochen sichtbar verwandelt. Die Wasserkrise ist damit aber noch nicht vorbei.

Marokko im Vergleich 2025 versus 2026. (Bildquelle: Copernicus) Marokko im Vergleich 2025 versus 2026. (Bildquelle: Copernicus)

Marokko ist in den vergangenen Jahren immer mehr zum Synonym für Dürre geworden: ausgedörrte Böden, sinkende Stauseen und schlechte Ernten. Das Bild eines Landes, dem der Himmel schon lange keinen Regen mehr schenkte. Doch in diesem Winter kam er zurück.

Sichtbar aus dem All

Was aus der Ferne wie eine meteorologische Randnotiz wirkt, ist inzwischen sogar aus dem All erkennbar. Bilder des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus aus dem Nordosten des Landes zeigen dieselbe Region am 20. Februar 2025 und am 20. Februar 2026.

Erst von Dürre gezeichnet, dann sichtbar grüner. Nach Angaben der beteiligten Wissenschaftler verwandelten zwei Monate intensiver Niederschläge zuvor trockenes Land in ein Gebiet mit vergleichsweise dichter Vegetation.

Mehr als nur ein nasser Winter

Reuters berichtete im Januar unter Berufung auf Marokkos Wasserminister Nizar Baraka, die Niederschläge hätten im Winter um 95 Prozent über dem Vorjahr gelegen und das saisonale Mittel um 17 Prozent übertroffen. Gleichzeitig sei die Füllrate der Stauseen auf 46 Prozent gestiegen. Doch da endet die Geschichte nicht.

Nur wenige Wochen später meldete Reuters nach weiteren Regenfällen, dass die Winterniederschläge im Schnitt sogar um 35 Prozent über dem langjährigen Mittel gelegen hätten.

Für ein Land wie Marokko ist das mehr als nur Wetter. Regen ist hier nie bloß Niederschlag. Er ist Erleichterung – und für viele wohl auch ein wirtschaftliches Signal.

Nach Jahren, in denen Wasserknappheit die Landwirtschaft belastete, Herden schrumpfen ließ und den Druck auf Städte und Gemeinden erhöhte, bedeutet der nasse Winter zunächst vor allem eines: etwas Zeitgewinn.

Keine Entwarnung

Denn ganz so schön ist die Geschichte am Ende doch nicht. Selbst vorsichtig optimistische Wetterprognosen bleiben zurückhaltend. Klar ist: Ein regenreicher Winter kann Reservoirs auffüllen und die Landschaft kurzfristig erblühen lassen. Das allein reicht aber nicht, um eine über Jahre gewachsene Wasserkrise zu überwinden.

Die strukturellen Folgen der langen Dürre haben sich tief in Landschaft, Landwirtschaft und Wasserversorgung eingraviert.

Eine Unterbrechung der Krise

Und genau das ist die eigentliche Aussage der Satellitenaufnahmen. Sie zeigen nicht das Ende der Dürreperiode, sondern allenfalls einen seltenen Moment der Entlastung.

Mehr aus der Welt der Wissenschaft:

Marokko bleibt auch weiterhin anfällig für steigende Temperaturen, unregelmäßige Niederschläge und lange Trockenphasen. Das Land gilt als besonders verwundbarer Hotspot des Klimawandels.

Aber für eine kurze Zeit ist etwas zurückgekehrt, das zuletzt schon beinahe wie eine ferne Erinnerung wirkte.

Das ergrünte Marokko ist deshalb mehr als nur ein hübscher Kontrast auf Satellitenbildern. Es zeigt, dass sich Landschaften selbst nach langen Dürreperioden rasch erholen können.

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